RWTH Aachen: Aufbau eines Techn-Inkubators für Start-ups

Haus der Ideen

Die RWTH Aachen will einen Tech-Inkubator aufbauen, in dem aus Innovationen Start-ups werden

Quelle: Wirtschaftliche Nachrichten der IHK Aachen 10/2019

von Helga Hermanns

Bis zu 90 Unternehmensgründungen pro Jahr durch den Tech-Inkubator der RWTH – das ist das hochgesteckte Ziel, das sich die Hochschule für die nächsten Jahre gesetzt hat. Sie gehört zu den sechs Universitäten in NRW, die für das Förderprogramm „Exzellenz Start-up Center. NRW“ ausgewählt wurden. 25 Millionen Euro gibt das Land in den kommenden fünf Jahren. Im Juli wurde das erste Fördergeld ausgezahlt. Schon bei der Zahl der geplanten Neugründungen setzt die RWTH die Messlatte hoch. Noch ehrgeiziger klingt da das Ziel, „der größte, integrierte Technologie-Inkubator Europas“ zu werden. Simon Fey, Leiter des Startup-Bereichs der RWTH und Doktorand am Lehrstuhl für Innovation und Entrepreneurship, gehört zu dem Team von rund 20 Mitarbeitern, das bisher ungenutztes Potenzial bei den Studierenden entdecken und in erfolgreiche Startups führen will. „Wir möchten nach außen das Signal geben, dass die RWTH der am besten geeignete Standort für ein technologiebasierte Gründung ist. Und wir wollen das unternehmerische Denken stärker in die Uni tragen“, sagt Fey. Es gehe nicht nur darum, Studierenden Mut zu machen, ein Unter nehmen zu gründen und dabei alle nur denkbaren Hilfestellungen zu geben. „Wir wollen auch ganz gezielt alle Professoren sensibilisieren, das Thema Gründung jederzeit mitzudenken.“

Mit der Förderzusage des Landes ist auch ein Auftrag verbunden. Nämlich das Gründen zu vereinfachen, die Zahl der weiblichen Gründer zu erhöhen und die regionale Vernetzung zwischen Hoch schule und Wirtschaft voranzutreiben. Das ist etwas, worauf die RWTH besonderen Wert legt. Schließlich soll der Strukturwandel in der Braunkohle-Region begleitet und positiv mitgestaltet werden. Genau deshalb hat die Hochschule in ihrem Antrag für das Programm Exzellenz Startup Center. NRW besonders die Partnerschaften mit der IHK Aachen, dem DigitalHUB, dem Forschungszentrum Jülich, der AGIT und vielen weiteren regionalen Playern betont.

Dem Startup-Monitor des Landes NRW zufolge gehört die RWTH bundesweit zu den Top 10 der Gründerhochschulen. Die Aachener Hochschule biete mit ihren wegweisenden Forschungsergebnissen die Basis für ein immenses Gründungspotenzial, sagte RWTH-Rektor Professor Ulrich Rüdiger bei Bekanntgabe des Förderbescheids. Keine Idee und kein Forschungsergebnis für den Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft solle verlorengehen, erklärte Professor Malte Brettel im Frühjahr. Wie das praktisch aussehen soll, kann Simon Fey erklären.

 

Die Forscher früher abholen

Auf dem Gelände des Campus Melaten wird im kommenden Jahr ein neues Gebäude entstehen mit Büros, Konferenzräumen und einer Prototypen-Werkstatt. Dort soll der physische „Hotspot“ für alle Gründungsinteressierten entstehen. Es geht darum, Ideen weiterzuentwickeln und entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten zu finden. Deshalb sind im Team des Inkubators nicht nur Techniker und Ingenieure, sondern auch Betriebswirtschaftler und Patent-Experten vertreten. „Uns geht es zudem darum, neue Formate zu finden, um die Forscher früher und effektiver abzuholen“, betont Fey. Ein solches Instrument könnte zum Beispiel ein digitales Modul sein, mit dem Studierende technischer Studiengänge sich unternehmerisches Know-how aneignen können und dafür Punkte erhalten. Der Ablauf von der Idee bis zur Gründung eines Unternehmens soll zentral im Inkubator geschehen. Über ein Formular im Internet können die Gründungsinteressierten den ersten Kontakt aufnehmen und ihre Idee schildern. Es folgt ein Erstgespräch, bei dem ausgelotet wird, wie weit die Pläne bereits gediehen sind. Danach gibt es ein Coaching mit Experten, um beispielsweise den Businessplan zu entwickeln. Dieser wird nach dem Vier-Augen-Prinzip dann noch einmal überarbeitet mit dem Ziel, eine passende Förderung zu finden und damit eine Erstfinanzierung sicherzustellen.

Simon Fey verweist auf das sehr erfolgreiche Exist-Förderprogramm des Bundes, das in der Regel auf ein Jahr befristet ist. Für den Antragsteller gibt es kein Risiko, weil er kein Geld zurückzahlen muss und ein Jahr lang seine Idee oder sein Produkt ohne finanziellen Druck entwickeln kann. Später könne sich dann ein gerade neu konzipiertes Accelerator-Programm anschließen, mit dem die Start-ups wachsen können, sagt Fey. Dazu gehört auch, dass sie das Inkubator-Gebäude nach der Startphase verlassen und selbst laufen lernen. Dabei kommen dann andere ins Spiel – etwa die AGIT oder die IHK Aachen. Fünf Jahre hat die RWTH nun Zeit zu beweisen, dass ihr Tech-Inkubator sich tatsächlich zu einem der besten und größten in Europa entwickelt. Die Chancen auf weitere Fördermittel sind dann groß.